Asbestinformation und Unterweisung

Nachstehende Kurzinformation ist zum Sensibilisieren betroffener oder verantwortlicher Personen geeignet.

Nachfolgende Asbestinformation stellt eine Zusammenfassung der gesetzlichen Forderungen und Informationen zur Umsetzung dieser dar.

Das zugehörige pdf-Dokument (Asbest 4.4 Information und Unterweisung) mit gleichem Inhalt wie diese Seite muss im Abschnitt Asbestunterweisung unter Punkt 3, 4 und 5 mit den notwendigen anwendungsabhängigen Angaben ergänzt werden. Das bearbeitete Dokument ist als Grundlage für die jährliche Unterweisung der Mitarbeiter geeignet.

Asbestinformation

Wie wirkt Asbest? (Asbestbedingte Berufserkrankungen)

Asbestfasern können nach dem Einatmen zu schweren Erkrankungen der Atemwege und der Lunge führen. Diese treten oft erst nach Jahrzehnten auf. Die seit 1990 verbotenen und heute noch in den Gebäuden vorhandenen asbesthaltigen Baumaterialien gefährden die Gesundheit von Bauarbeitern und Hausbewohnern, insbesondere bei Sanierungs- und Abbrucharbeiten. 

Die Anzahl der asbestbedingten Erkrankungen der Lunge und des Rippenfells steigt trotz des Verbots seit 1990 stetig an. Zukünftige Erkrankungen können heute nur durch den richtigen Schutz und staubvermeidenden Umgang mit asbesthaltigen Materialen bei Abbruch, Sanierung und Instandhaltung verhindert werden.                                                                     

Asbestbedingte Berufserkrankungen :

  • Rippenfellkrebs (Pleuramesotheliom)
  • Lungenkrebs
  • Asbestose
  • Kehlkopfkrebs

 

Latenzzeit (Verzögerungszeit):

Diese Erkrankungen treten erst mit einer Verzögerung von 10 Jahren nach der Exposition mit Asbest auf, können aber auch noch Jahrzehnte später auftreten. Eine regelmäßige Untersuchung der Lunge hat das Ziel der Früherkennung einer möglichen Erkrankung und somit frühzeitigen Einleitung von Behandlungsmaßnahmen.

Vermeidung von Asbeststaubbelastung ist die einzig wirksame Vorbeugung gegen zukünftige Asbesterkrankungen!

Atemwege

Aufnahme über die Atemwege
(Quelle SUVA)

Entwicklung der asbestbedingten Berufserkrankungen – Statistik der AUVA

Asbest_Grafik_Statistik2016_klein

Grenzwerte und Überwachung

Die Grenzwerteverordnung 2011 (GKV) legt folgende Grenzwerte in der Atemluft fest:

TRK-Wert: 100.000 Fasern/m³

Zusätzlicher Wert für geringfügige Exposition von 15.000 Fasern/m³

Sofern geringfügige Arbeiten nur gelegentlich vorgenommen werden, entfallen viele der in der Grenzwerteverordnung festgelegten Maßnahmen (siehe Tabelle „Maßnahmen beim Umgang mit Asbest

Der Begriff "gelegentlich" umfasst Tätigkeiten mit Asbest, die nicht regelmäßig durchgeführt werden und deren Zweck nicht ausschließlich auf den Umgang mit Asbest ausgerichtet ist.

Als zeitliche Größenordnung kann von ca. 2 Tagen/Monat, insgesamt aber nicht mehr als 20 Tage/Jahr ausgegangen werden.

Grenzwertevergleichsmessungen müssen bei allen Arbeiten, bei denen keine geringfügige Exposition nachgewiesen ist, vorgenommen werden.

Der Wert von max. 15.000 Fasern/m³ wird in der Regel bei Anwendung von Arbeitsverfahren gemäß Merkblatt M376.2 und M367.3 oder bei Anwendung der standardisierten Verfahren nach der deutschen BGVR – Information 201-012, eingehalten.

Hygienemaßnahmen

Um Asbestfasern nicht zu verschleppen, ist es notwendig die Kleidung beim Verlassen des Asbestbereiches zu wechseln. Dies erfolgt bei einer Asbestfaserkonzentration > 100.000 F/m³ im installierten Schleusensystem, wobei die Duschen zu verwenden sind und die kontaminierte Arbeitskleidung in dicht schließende und entsprechend gekennzeichnete Behältnisse zu verpacken ist.

Werden Arbeiten mit geringfügiger Exposition (< 15.000 Fasern/m³) durchgeführt, kann durch tragen eines Einwegoveralls, welcher auf der Baustelle entsorgt wird, das geforderte Schutzziel erreicht werden.

Ansonsten müsste geduscht und die Arbeitskleidung gegen saubere getauscht werden. Wird Mehrweg-Schutzkleidung verwendet, ist diese durch Absaugen oder Abwischen zu reinigen und getrennt von der Straßenkleidung aufzubewahren. Eine Kontamination der Räumlichkeiten und der Privatkleidung ist zu vermeiden.

Aus arbeitshygienischer Sicht ist die einzig praxistaugliche Methode die Verwendung des Einwegoveralls.

Essen, Trinken und Rauchen im Asbestbereich sind verboten, da es die Aufnahme der Asbestfasern in den Körper fördert!

Durch Rauchen wird die Wirkung der Asbestfasern vervielfacht!

essentrinken

Besondere Vorsichtsmaßnahmen, um die Asbestexposition so weit wie möglich zu verringern

Technische Schutzeinrichtungen / Maßnahmen zur Minimierung von Asbeststaubbelastungen

Geräte und Werkzeuge:

Das geeignete Werkzeug ist vom Arbeitgeber bereitzustellen:

  • Geräte, die auf Asbestbaustellen verwendet werden, sollen grundsätzlich nicht auf anderen Baustellen eingesetzt werden (ev. Kennzeichnung anbringen).
  • Geräte, die auf Asbestbaustellen verwendet werden, sind ausschließlich in dichten Behältnissen zu lagern und zu transportieren. Dies dient zur Vermeidung der Kontamination anderer Bereiche(Kennzeichnung anbringen).
  • Großgeräte (z. B. Flächenschleifmaschinen) sind mit dem Asbestsauger nach der Verwendung zu reinigen und mit Wickelfolie zu verpacken.
  • Leicht zu reinigende Handwerkzeuge dürfen nach gründlicher Reinigung auch in anderen Bereichen eingesetzt werden.
  • Langsam laufende Arbeitsgeräte (z. B. elektrischer Fuchsschwanz, Stichsäge usw.) die mit geeigneten filternden Absaugungen (Asbestsauger) ausgestattet sind.
  • Geeignete Arbeitsmittel, die im Nassverfahren verwendet werden.
  • Verwendung von Glove- Bags für den Ausbau geringer Mengen an schwachgebundenem Asbest.
  • Für die Absaugung des entstehenden Staubes ist ein Asbestsauger zu verwenden:
    Filterklasse H mit Zusatzanforderung Asbest.

Entsorgungsverpackung / Lagerung: 

  • Verwendung von staubdichten Säcken, Big Bags, Containern, Mulden für Transport und Lagerung.
  • Asbesthaltige Abfälle sind so rasch wie möglich staubdicht zu verpacken um jede Staubentwicklung ist möglichst zu vermeiden.
  • Sämtliche Asbest-Verpackungen sind als Einwegverpackungen ausgelegt und werden mit dem Asbest-Abfall gemeinsam entsorgt. Dies gilt auch für die verwendete Einwegschutzausrüstung - keine Mülltrennung!

Organisatorische Maßnahmen zur Minimierung von Asbeststaubbelastungen

  • Benennung eines Verantwortlichen mit theoretischen und praktischen Kenntnissen im Umgang mit Asbest.
  • Erstellung des vorgeschriebenen Arbeitsplanes gemäß § 23 GKV 2011und Erstellung des SiGe - Plans gemäß § 7 BauKG
  • Im Gefährdungsbereich dürfen sich nur die unmittelbar mit den gefährlichen Arbeiten beschäftigten und unterwiesenen Personen aufhalten!
  • Bereiche absperren und kennzeichnen.
  • Wenn möglich, Staubbindung durch Feuchtigkeit (Penetriermittel) gewährleisten.
  • Flächen mit Restfaserbindemittel nachbehandeln.
  • Absaugen der Arbeitskleidung mit Asbestsauger, nicht „ausbeuteln“, abblasen oder abkehren vor Ort.
  • Wechsel der Arbeitskleidung sofort nach Beendigung der Tätigkeit (Einwegschutzanzug auf der Baustelle entsorgen).
  • Den Arbeitnehmern sind Waschgelegenheiten, Waschräume, Umkleidemöglichkeiten, Kleiderschränke, Aufenthaltsräume zur Verfügung zu stellen.
  • Das Inverkehrsetzen und die Verwendung von gebrauchten asbesthaltigen Stoffen, Zubereitungen und Fertigwaren ist gemäß Chemikalienverbotsverordnung 2003 verboten!
Kennzeichnung Asbeststaubsauger
Kennzeichnung eines Asbest-Staubsaugers

Schutzausrüstung und Schutzkleidung (PSA)

Feinstaubmaske (Filterklasse FFP2 oder FFP3) nach ÖNORM EN 149 -filtrierende Halbmasken.Mögliche PSA:

  • Für umfangreichere Arbeiten sind motorunterstützte Filtergeräte oder umluftunabhängige Atemschutzgeräte zu verwenden
  • Der Einwegschutzanzug (EN 13982-1 Typ 5 partikeldicht, EN 13034 Typ 6 begrenzt spritzdicht lt. TRGS 519), ist nicht nur eine wirksame Maßnahme, sondern erspart auch den sonst erforderlichen aufwändigen Umgang mit kontaminierter Arbeitskleidung.
  • Mehrweganzüge kommen in der Regel erst beim Einsatz von Schleusensystemen zur Anwendung

In Abhängigkeit von Exposition und Häufigkeit der Arbeiten wird der Einsatz folgender PSA festgelegt:

Exposition und Häufigkeit

Atemschutz

Schutzkleidung

gelegentlich und geringfügig

FFP2 verpflichtend

 

Schutzanzug empfohlen

 

nicht gelegentlich aber geringfügig

FFP2 verpflichtend

 

Schutzanzug verpflichtend

Über 15.000 Fasern / m³

FFP3 verpflichtend

Schutzanzug verpflichtend

Über 100.000 Fasern / m³

motorunterstützte Filtergeräte (TM3P) oder (TH3P) umluftunabhängiger Atemschutz

Schutzanzug verpflichtend

 

 

Neben Schutzanzug und Atemschutz können selbstverständlich weitere Schutzausrüstungen erforderlich werden, wenn dies zur Vermeidung von Verletzungen notwendig ist (z. B. Schutzhelm, Schutzschuhe, Augenschutz, Schutzhandschuhe und dgl.)

Arbeits- und Schutzkleidung ist grundsätzlich kostenlos vom Arbeitgeber zur Verfügung zu stellen und zu reinigen. Erforderlichenfalls ist sie geordnet zu entsorgen und vom Arbeitgeber zu ersetzen. Keinesfalls aber darf kontaminierte Arbeitskleidung mit der Privatkleidung gemeinsam gereinigt werden. Die Straßen- und Arbeitskleidung ist getrennt aufzubewahren.

Durch geeignete Lagerung sowie durch entsprechende Reinigungs-, Wartungs-, Reparatur- und Ersatzmaßnahmen ist die zur Verfügung gestellte persönliche Schutzausrüstung in einwandfreiem technischem und hygienischem Zustand zu erhalten! Die Herstellerinformationen zur Verwendung der PSA sind dabei einzuhalten!

Die PSA-Verwendungsverordnung regelt unter anderem den ordnungsgemäßen Gebrauch der persönlichen Schutzausrüstung für den Atemschutz:

  • Besondere Unterweisung mit praktischen Übungen (alle 6 Monate) über das An- und Ablegen und die zugehörige Funktionskontrolle.
  • Mehrwegatemschutz ist in vierteljährlichen Abständen durch eine fachkundige Person nachweislich zu überprüfen
    .
psa

Untersuchungen

Arbeitgeber müssen die erforderlichen Eignungs- und Folgeuntersuchungen veranlassen:

Untersuchungsintervall 2 Jahre, für die Röntgenuntersuchung 4 Jahre. 

Die betroffenen Arbeitnehmer sollen sich nach Beendigung der Exposition lungenfachärztlichen Gesundheitsuntersuchungen so lange unterziehen, wie dies zur Sicherung ihrer Gesundheit nach Ansicht der untersuchenden Fachärztinnen oder Fachärzte jeweils erforderlich ist.

Die vorgeschriebene Untersuchung entfällt bei Arbeiten mit geringfügiger Exposition, wenn sie nur gelegentlich durchgeführt werden!

(siehe Tabelle „Maßnahmen beim Umgang mit Asbest“)

Asbestunterweisung

Eigenschaften von Asbest und seine Auswirkungen auf die Gesundheit

Auf die Gesundheitsgefahren und möglichen Berufskrankheiten wurde bereits in der Information hingewiesen. Besonders sollte das Rauchverbot hervorgehoben werden, da dies die Wirkung der Asbestfasern vervielfacht.

Arten von Erzeugnissen oder Materialien, die Asbest enthalten können:

asbtab

Quellen: SUVA, EU-Leitfaden, ÖSBS

Stop! Stopschild-Icon

Achtung!!!

Ob Materialien Asbest enthalten, kann oft nur durch spezielle Untersuchungen eindeutig geklärt werden – im Verdachtsfall Proben zur Analyse an die ÖSBS (österreichische Staub- und Silikosebekämpfungsstelle) senden!

Im Verdachtsfall ist die Arbeit einzustellen und der zuständige Baustellenverantwortliche bzw. die Firmenleitung zu benachrichtigen.

 

Ablaufschema für Arbeiten mit Asbest und Tabelle mit den anzuwendenden gesetzlichen Grundlagen

Ablaufschema_Tabelle

Arbeiten mit Asbestexposition

In der Unterweisung werden in Punkt 3 im PDF Formular alle Arbeiten mit Asbestexposition angegeben.

Sichere Arbeitsverfahren, Kontrollen und persönliche Schutzausrüstungen

In der Unterweisung werden in Punkt 4 im PDF Formular sämtliche Arbeitsverfahren welche die Einhaltung der 15.000 Fasern m3 (Arbeiten mit geringfügiger Exposition) festgelegt.

Mögliche Vorgehensweisen:

 

Zweck, Angebot und Auswahl, Wirkungsgrenzen und richtiger Einsatz von Atemschutzausrüstungen:

An dieser Stelle der Unterweisung (Punkt 5 in der Unterweisungsunterlage) ist im PDF Formular die im Betrieb für Asbestarbeiten vorgesehene persönliche Schutzausrüstung anzugeben. 

 

Dekontaminationsverfahren, Notfallverfahren und Abfallbeseitigung

Dekontaminationsverfahren

Da bei Anwendung der oben genannten Verfahren mit geringer Exposition keine Schleusensysteme aufgebaut werden, beschränkt sich die Dekontamination auf folgende Maßnahmen:

  • Verwendete Geräte und Elektrogeräte mit Asbestsauger reinigen und als Gerät „nur für Asbestarbeiten“ kennzeichnen. Grundsätzlich nicht auf anderen Baustellen einsetzen und in geschlossenen Behältern aufbewahren oder mit Wickelfolie verpacken.Hinweisschild Dusche
  • Handwerkzeuge mit feuchten Tüchern abwischen oder mit Wasser reinigen.
  • Ungeschützte Ausrüstungsteile (z.B. Sicherheitsschuhe oder wiederverwendbare PSA) mit Asbestsauger absaugen, wenn möglich feucht abwischen.
  • Leicht zu reinigende Handwerkzeuge dürfen nach gründlicher Reinigung auch in anderen Bereichen eingesetzt werden.
  • Gesamtreinigung der ungeschützten Körperteile mit Wasser.

Notfallverfahren

Da es sich um Verfahren geringer Exposition handelt, ist das Verhalten im Notfall (Brand, Unfall), wie im Baustellenaushang vorgesehen, anzuwenden.

Sollte erkennbar sein, dass die angewandten sicheren Verfahren aufgrund der offensichtlichen Staubexposition nicht mehr anwendbar sind oder aufgrund eines Gebrechens erhöhte Asbeststaubexposition auftreten gilt folgendes: 

  1. Mitarbeiter warnen und den Arbeitsbereich verlassen, Sammelplatz aufsuchen
  2. Bereich absperren und gegen unbefugtes Betreten sichern 
  3. Vorgesetzten verständigen und die weitere Vorgehensweise festlegen

Abfallbeseitigung

Unsachgemäß oder unverpackte asbesthaltige Abfälle fallen unter die Bestimmungen desHänger für Asbestkennzeichnung

 Gefahrguttransportgesetzes, somit ist Asbest immer entweder in Einweg-Verpackungen oder dichtschließende Container / Mulden zu entsorgen.

  • Sämtliche Asbest-Verpackungen sind als Einwegverpackungen ausgelegt und werden mit dem Asbestabfall gemeinsam entsorgt. Dies gilt auch für die verwendete Einwegschutzausrüstung
  • Asbest ist in jedem Fall als gefährlicher Abfall zu deklarieren und zu entsorgen.
  • Keine Mülltrennun

Erforderliche Eignungs- und Folgeuntersuchungen.

Für gelegentliche Arbeiten mit geringfügiger Exposition sind keine Eignungs- und Folgeuntersuchungen erforderlich.

Für Arbeiten mit geringfügiger Exposition in erheblichem Ausmaß (nicht mehr gelegentlich) sind Eignungs- und Folgeuntersuchungen erforderlich.